Wissen

Context Engineering

Context Engineering beschreibt die systematische Gestaltung der Informationsumgebung, die einem Large Language Model während einer Anfrage zur Verfügung steht. Dazu gehören nicht nur Prompts, sondern auch Gesprächshistorie, Retrieval-Ergebnisse, Memory, Tool-Ausgaben, Zustände, Beispiele, Regeln, Daten und andere Informationen, die das Modell für den aktuellen Arbeitsschritt benötigt.

  • Entity Class: Wissen
  • Content-Typ: Ratgeber
  • Hauptthema: Context Engineering
  • Bereich: LLM / Agents / Context Management
Kernidee

Nicht möglichst viel Kontext bereitstellen, sondern möglichst relevanten, aktuellen und handlungsfähigen Kontext.

Umfang

Prompt, Retrieval, Memory, Conversation State, Tools, Beispiele, Constraints und strukturierte Daten.

Ziel

Informationsdichte, Zuverlässigkeit und Aufgabenerfolg bei begrenztem Context Window verbessern.

Dokument-Metadaten

Worum geht es in diesem Wissensbeitrag?

Einordnung des Inhalts

Entity Class
Wissen
Content-Typ
Ratgeber / technischer Wissensbeitrag
Hauptthema
Context Engineering
Themenkategorie
Large Language Models / Agenten / RAG / Memory / Context Management
Primäres Optimierungsobjekt
Aktiver Informationskontext während der LLM-Inferenz
Verwandte Konzepte
Prompt Engineering, RAG, Context Folding, Prompt Compression, Memory, Tool Use und Long Context
Kernfrage
Welche Informationen sollte das Modell für den aktuellen Arbeitsschritt in welcher Form tatsächlich sehen?

Definition

Was ist Context Engineering?

Context Engineering umfasst die systematische Auswahl, Erzeugung, Strukturierung, Platzierung, Verdichtung und Aktualisierung der Informationen, die ein LLM während der Inferenz erhält. Der Begriff erweitert damit Prompt Engineering von der Formulierung einzelner Instruktionen auf die Architektur der gesamten Informationsumgebung.

Definition als Faktenstruktur

Input
Informationen aus Prompt, Nutzereingabe, Memory, Retrieval, Tools, Daten und Systemzustand
Processing
Filtern, priorisieren, strukturieren, ordnen, verdichten, normalisieren und gegebenenfalls erzeugen
Output
Ein auf den aktuellen Arbeitsschritt optimierter aktiver Kontext
Constraint
Context Window, Tokenkosten, Latenz und begrenzte zuverlässige Nutzung sehr langer Eingaben
Qualitätsziel
Hohe Relevanzdichte bei möglichst geringem Verlust kritischer Informationen
Systemebene
Context Engineering kann statisch vor einer Anfrage oder dynamisch während eines Agenten-Workflows erfolgen

Abgrenzung

Prompt Engineering ist ein Teil von Context Engineering

PROMPT ENGINEERING

Wie wird die Aufgabe formuliert?

Prompt Engineering optimiert Instruktionen, Beispiele, Rollen, Ausgabeformate und sprachliche Formulierungen, mit denen das gewünschte Modellverhalten beschrieben wird.

CONTEXT ENGINEERING

Welche Informationswelt sieht das Modell?

Context Engineering bestimmt zusätzlich, welche Dokumente, Erinnerungen, Tool-Ausgaben, Zustände, Regeln, Daten und vorherigen Ergebnisse dem Modell überhaupt zur Verfügung stehen.

Vereinfacht
Prompt Engineering = Instruktion gestalten
Context Engineering = gesamte Informationsumgebung gestalten

Context Model

Der aktive Kontext ist das Ergebnis einer Informationspipeline

Kontext sollte nicht als statischer Textblock verstanden werden. In komplexen LLM-Systemen wird er für jeden Arbeitsschritt neu zusammengestellt und kann sich nach Tool-Aufrufen, Retrieval oder Zustandsänderungen kontinuierlich verändern.

01 Sources

Prompt, User, Memory, Dokumente, Daten, Tools und Systemzustand.

02 Retrieve

Welche Informationen könnten für die Aufgabe relevant sein?

03 Select

Welche Informationen sollen tatsächlich in den aktiven Kontext?

04 Structure

Wie werden Regeln, Fakten, Beispiele und Evidenz organisiert?

05 Compress

Welche redundanten oder abgeschlossenen Informationen lassen sich verdichten?

06 Place

Wo im Kontext werden kritische Informationen positioniert?

07 Execute

Das Modell nutzt den aktiven Kontext für den aktuellen Schritt.

08 Update

Neue Ergebnisse verändern State, Memory und den nächsten Kontext.

Context Sources

Aus welchen Informationsschichten kann Kontext bestehen?

SYSTEM

Systemregeln und Rolle

Grundlegende Verhaltensregeln, Zuständigkeiten, Sicherheitsgrenzen und dauerhafte Systeminstruktionen.

USER

Aktuelle Nutzerintention

Frage, Ziel, gewünschtes Ergebnis und aktuell formulierte Bedingungen des Nutzers.

CONVERSATION

Dialoghistorie

Frühere Fragen, Antworten, Entscheidungen, Korrekturen, Präferenzen und offene Aufgaben.

RETRIEVAL

Extern abgerufenes Wissen

Dokumentpassagen, Produktdaten, Datenbankergebnisse oder andere Informationen, die für die aktuelle Anfrage gesucht wurden.

MEMORY

Persistente Information

Relevante Informationen aus früheren Sitzungen oder ausgelagerte Zustände außerhalb des aktuellen Context Windows.

TOOLS

Beobachtungen aus externen Systemen

Suchergebnisse, API-Antworten, Berechnungen, Codeausführung oder Daten aus anderen Anwendungen.

STATE

Arbeits- und Prozesszustand

Bereits erledigte Schritte, aktuelle Phase, offene Punkte, Entscheidungen und nächste Aktionen.

EXAMPLES

Beispiele und Ausgabeschemata

Demonstrationen, Referenzausgaben, Style Guides, Datenmodelle oder formale Output-Strukturen.

Context Layers

Nicht jede Information besitzt dieselbe Lebensdauer

Beispielhafte Kontext-Hierarchie

Policy Context
Langfristig stabile Regeln und Systemgrenzen
Domain Context
Fachmodelle, Definitionen, Taxonomien und dauerhaft relevante Domänenlogik
Task Context
Ziel, Deliverable, Constraints und Anforderungen der aktuellen Aufgabe
Working Context
Informationen, die für den aktuellen Reasoning- oder Aktionsschritt unmittelbar benötigt werden
Evidence Context
Retrievte Quellen, Fakten, Dokumente und Daten zur Begründung konkreter Claims
Tool Context
Temporäre Ergebnisse aus API-, Search-, Code- oder anderen Tool-Aufrufen
Memory Context
Ausgelagerte historische Informationen, die nur bei Relevanz aktiviert werden

Context Problem

Mehr Kontext ist nicht automatisch besserer Kontext

Große Kontextfenster erhöhen die verfügbare Kapazität. Sie lösen aber nicht automatisch die Frage, welche Informationen relevant sind und wie zuverlässig das Modell diese Informationen nutzt.

Context Dilution

Relevante Information geht zwischen vielen irrelevanten Tokens unter.

Position Bias

Modelle nutzen Information abhängig von ihrer Position im langen Kontext unterschiedlich zuverlässig.

Contradiction

Mehrere Kontextquellen können unterschiedliche oder veraltete Aussagen enthalten.

Stale State

Frühere Entscheidungen bleiben im Kontext, obwohl sich der aktuelle Zustand verändert hat.

Token Cost

Unnötige Informationen erhöhen Kosten, KV-Cache-Größe und Latenz.

Attention Competition

Viele gleichzeitig verfügbare Signale konkurrieren um begrenzte Modellaufmerksamkeit.

Context Retrieval

RAG ist eine Form von Context Engineering

Retrieval-Augmented Generation löst einen Teil des Context-Engineering-Problems: Statt sämtliches potenziell relevantes Wissen dauerhaft in den Prompt zu legen, wird für jede Anfrage eine Teilmenge externer Informationen ausgewählt und in den aktiven Kontext eingebracht.

Context Retrieval Pipeline

Query Understanding
Welche Information wird für die aktuelle Aufgabe benötigt?
Candidate Retrieval
Welche Dokumente, Daten oder Memory-Objekte könnten relevant sein?
Ranking / Reranking
Welche Kandidaten besitzen die höchste fachliche Relevanz?
Context Assembly
Welche Ausschnitte werden tatsächlich in den aktiven Kontext übernommen?
Grounding
Welche Antwort-Claims können auf die abgerufenen Informationen zurückgeführt werden?

Context Processing

Gefundener Kontext muss häufig erst aufbereitet werden

FILTER

Irrelevantes entfernen

Inhalte ohne ausreichende Relevanz für den aktuellen Schritt sollten den aktiven Kontext nicht unnötig belasten.

RERANK

Relevanz priorisieren

Besonders wichtige Evidenz kann stärker priorisiert und prominenter im Kontext platziert werden.

NORMALIZE

Information vereinheitlichen

Strukturierte Daten, Einheiten, Identitäten und Formate können vor der Übergabe an das Modell normalisiert werden.

SUMMARIZE

Detailhistorie verdichten

Lange Abschnitte können in kompakte Zustands- oder Ergebnisrepräsentationen überführt werden.

STRUCTURE

Informationstypen trennen

Regeln, Facts, Evidence, Examples und State sollten möglichst eindeutig voneinander unterscheidbar sein.

ANNOTATE

Metadaten erhalten

Quelle, Zeitpunkt, Entity, Gültigkeit und Vertrauensniveau erhöhen die spätere Verwendbarkeit von Kontext.

Context Compression

Informationsdichte ist oft wichtiger als rohe Tokenmenge

Prompt Compression und Context Folding verfolgen unterschiedliche Mechanismen, aber ein gemeinsames Ziel: Der aktive Kontext soll weniger unnötige Tokens enthalten, ohne relevante Aufgabeninformation zu verlieren.

PROMPT COMPRESSION

Bestehende Eingabe verdichten

Redundante oder wenig informative Teile eines langen Prompts werden reduziert, damit relevante Information dichter vorliegt.

CONTEXT FOLDING

Abgeschlossene Arbeit zusammenfalten

Tokenintensive Sub-Trajektorien werden nach Abschluss durch kompakte Ergebnisse im aktiven Working Context ersetzt.

Wissensbeitrag öffnen

Memory

Context Engineering entscheidet auch, was nicht aktiv im Kontext bleibt

Aktiver Kontext versus ausgelagerte Information

Working Memory
Information, die für den aktuellen Schritt unmittelbar erforderlich ist
Episodic Memory
Frühere Interaktionen, Ereignisse und abgeschlossene Arbeitsschritte
Semantic Memory
Stabilere Fakten, Regeln, Präferenzen und Domänenwissen
External Store
Dokumente oder historische Daten außerhalb des Context Windows
Recall
Nur relevante Erinnerungen werden bei Bedarf wieder in den aktiven Kontext geladen
Eviction
Irrelevante beziehungsweise überholte Information wird aus dem Working Context entfernt

Tool Context

Tool Use erzeugt neuen Kontext während der Laufzeit

Agentische Systeme erweitern ihren Kontext aktiv. Das Modell kann beispielsweise eine Suche, Datenbankabfrage oder Berechnung auslösen. Das Resultat wird zur neuen Beobachtung und beeinflusst den nächsten Reasoning- oder Handlungsschritt.

01 State

Aktueller Wissens- und Aufgabenstand.

02 Need

Welche externe Information oder Aktion fehlt?

03 Tool Call

Search, API, Code, Datenbank oder andere Aktion.

04 Observation

Das Tool liefert ein neues Ergebnis.

05 Context Update

Relevante Information wird in den Working Context integriert.

06 Next Step

Das Modell entscheidet auf Basis des aktualisierten Kontextes weiter.

Context Placement

Auch die Position relevanter Information kann wichtig sein

Praktische Platzierungsprinzipien

Priorität sichtbar machen
Kritische Ziele und Constraints sollten nicht zwischen großen Mengen sekundärer Information verschwinden.
Evidence bündeln
Claims und dazugehörige Evidenz sollten möglichst klar miteinander verbunden sein.
State aktuell halten
Der aktuelle Arbeitszustand sollte gegenüber veralteter Historie eindeutig erkennbar sein.
Konflikte explizit machen
Widersprüchliche Quellen sollten nicht ungekennzeichnet nebeneinanderstehen.
Long-Context-Risiko
Forschung zeigt, dass relevante Information in langen Kontexten positionsabhängig unterschiedlich zuverlässig genutzt werden kann.

Context Lifecycle

Kontext ist ein veränderlicher Laufzeitzustand

Create

Neue Aufgabe, Instruktion oder Information entsteht.

Retrieve

Relevante externe oder historische Information wird gesucht.

Activate

Ausgewählte Information gelangt in den aktiven Kontext.

Transform

Information wird strukturiert, verdichtet oder normalisiert.

Use

Das Modell verwendet den Kontext für Reasoning oder Handlung.

Update

Neue Beobachtungen verändern die Kontextrepräsentation.

Persist

Langfristig relevante Information wird außerhalb des Working Context gespeichert.

Evict

Irrelevante, redundante oder überholte Information wird entfernt.

Beispiel

Context Engineering bei einem B2B-Research-Agenten

Beispielhafte Kontextarchitektur

System Context
Rechercheprinzipien, Quellenanforderungen, Ausgabeformat und Umgang mit Unsicherheit
Task Context
Zu untersuchender Markt, Unternehmen, Zeitfenster und konkrete Nutzerfrage
Retrieval Context
Aktuell relevante Webseiten, Paper, Dokumente und Daten
Tool Context
Suchergebnisse, Datenbankabfragen und extrahierte Fakten
Working State
Welche Teilfragen bereits beantwortet wurden und welche Evidenz noch fehlt
Folded Context
Abgeschlossene Recherchepfade werden auf Kernergebnisse, Quellen und offene Unsicherheiten reduziert
Final Context
Nur die für Synthese und Quellenbegründung relevanten Ergebnisse verbleiben aktiv

Designprinzipien

Was guten Kontext auszeichnet

RELEVANCE

Aufgabenrelevant

Information sollte einen nachvollziehbaren Beitrag zur aktuellen Entscheidung oder Ausgabe leisten.

DENSITY

Informationsdicht

Wenig redundanter Inhalt bei hoher Dichte an relevanten Fakten, Regeln und Constraints.

FRESHNESS

Aktuell

Veraltete Zustände oder Quellen sollten gegenüber neueren Informationen nicht ungekennzeichnet dominieren.

PROVENANCE

Rückverfolgbar

Wichtige Fakten sollten möglichst mit Quelle, Entity und Gültigkeitskontext verbunden bleiben.

STRUCTURE

Eindeutig strukturiert

Instruktionen, Fakten, Beispiele, Tool-Ausgaben und Nutzerdaten sollten semantisch unterscheidbar sein.

RECOVERABILITY

Wiederherstellbar

Verdichtete Details sollten bei Bedarf aus Originalquellen oder Memory erneut abrufbar sein.

Measurement

Context Engineering benötigt Qualitäts- und Effizienzmetriken

Task Success

Erreicht das System mit dem bereitgestellten Kontext das gewünschte Ergebnis?

Context Relevance

Welcher Anteil des aktiven Kontexts ist für die konkrete Aufgabe tatsächlich relevant?

Evidence Recall

Wurden alle für eine korrekte Antwort notwendigen Informationen in den Kontext aufgenommen?

Context Precision

Wie hoch ist der Anteil wirklich hilfreicher Informationen unter allen eingebrachten Kontextobjekten?

Token Efficiency

Wie viele aktive Tokens werden für einen erfolgreichen Arbeitsschritt benötigt?

Groundedness

Wie zuverlässig stützen die ausgewählten Kontextquellen die erzeugten Claims?

Latency

Welche Laufzeitkosten verursachen Retrieval, Kompression und Context Assembly?

State Retention

Bleiben relevante Constraints, Entscheidungen und offene Aufgaben über längere Abläufe erhalten?

Optimierungsziel
Task Success ↑   +   Groundedness ↑   +   relevante Informationsdichte ↑   bei   aktiven Tokens ↓

Failure Modes

Typische Fehler entstehen nicht nur im Modell, sondern bereits in der Kontextarchitektur

Context-Engineering-Fehler

Missing Context
Eine notwendige Information wird gar nicht bereitgestellt.
Context Overload
Zu viele potenziell relevante Informationen verwässern die wirklich wichtigen Signale.
Wrong Retrieval
Semantisch ähnliche, aber fachlich falsche Informationen gelangen in den Prompt.
Stale Memory
Veraltete Informationen werden als aktueller Zustand reaktiviert.
Constraint Loss
Wichtige Anforderungen gehen bei Summarization oder Folding verloren.
Context Conflict
Mehrere Quellen oder Instruktionen widersprechen sich, ohne dass eine Priorität festgelegt ist.
Tool Noise
Große Tool-Ausgaben werden vollständig in den Kontext kopiert, obwohl nur wenige Ergebnisse relevant sind.
Context Collapse
Wiederholtes Umschreiben oder Zusammenfassen reduziert schrittweise wichtige Details und Nuancen.
Provenance Loss
Ein Fakt bleibt erhalten, aber seine Quelle oder Gültigkeitsbedingung geht verloren.

Agentic Context Engineering

Fortgeschrittene Systeme verändern ihren Kontext selbst

In Agentensystemen ist Context Engineering nicht ausschließlich eine statische Entwickleraufgabe. Der Agent kann selbst entscheiden, welche Informationen er sucht, welche Ergebnisse er behält, welche Zwischenschritte er verdichtet und welche Erfahrungen in zukünftigen Aufgaben wiederverwendet werden.

GENERATE

Kontext erzeugen

Der Agent formuliert Strategien, Zwischenziele oder neue Suchanfragen.

REFLECT

Ergebnisse bewerten

Erfahrungen und Ausführungsergebnisse werden auf Nutzen und Fehler analysiert.

CURATE

Kontext weiterentwickeln

Hilfreiche Regeln, Strategien oder Memory-Objekte werden aktualisiert und organisiert.

Verwandte Entitäten

WISSEN

Large Language Models

Erklärt das Context Window und die Transformer-Grundlage, innerhalb derer der aktive Kontext verarbeitet wird.

Wissensbeitrag öffnen
WISSEN

Retrieval-Augmented Generation

RAG ist ein zentraler Context-Engineering-Mechanismus zur dynamischen Auswahl externer Information.

Wissensbeitrag öffnen
WISSEN

Context Folding

Context Folding behandelt die aktive Reduktion abgeschlossener Arbeitstrajektorien in Long-Horizon-Agenten.

Wissensbeitrag öffnen
WISSEN

Groundedness & Faithfulness

Bewertet, ob die durch Context Engineering bereitgestellte Evidenz in der finalen Antwort tatsächlich korrekt genutzt wird.

Wissensbeitrag öffnen
WISSEN

ItemRAG

Zeigt Context Engineering über strukturierte Produktattribute, Relationen und item-zentriertes Wissen.

Wissensbeitrag öffnen
WISSEN

Conversational Commerce

Lang laufende Dialoge benötigen dynamisches Context Management, um Präferenzen, Produktwissen und Journey-State konsistent zu halten.

Wissensbeitrag öffnen

FAQ

Häufige Fragen zu Context Engineering

Was ist Context Engineering?

Context Engineering ist die systematische Gestaltung der Informationen, die ein LLM während der Inferenz sieht. Dazu gehören Auswahl, Retrieval, Strukturierung, Platzierung, Verdichtung, Aktualisierung und Entfernung von Kontext.

Was ist der Unterschied zu Prompt Engineering?

Prompt Engineering optimiert primär Instruktionen und Formulierungen. Context Engineering umfasst zusätzlich Conversation History, Retrieval, Memory, Tools, Zustände, Daten, Beispiele und andere Laufzeitinformationen.

Ist RAG Context Engineering?

Ja. RAG ist eine wichtige Context-Engineering-Technik, weil externe Informationen dynamisch ausgewählt und für eine konkrete Anfrage in den aktiven Kontext eingebracht werden.

Ist mehr Kontext grundsätzlich besser?

Nein. Mehr Kontext kann zusätzliche relevante Information enthalten, erhöht aber auch Kosten, Redundanz und mögliche Ablenkung. Forschung zu langen Kontexten zeigt zudem, dass Modelle relevante Informationen nicht an jeder Position gleich zuverlässig nutzen.

Welche Rolle spielt Memory?

Memory ermöglicht, Informationen außerhalb des aktiven Context Windows zu speichern und nur bei Bedarf wieder zu aktivieren. Dadurch muss nicht die gesamte Historie dauerhaft im Prompt verbleiben.

Was ist der Unterschied zwischen Context Compression und Context Folding?

Context Compression reduziert die Tokenmenge bestehender Eingaben. Context Folding verwaltet zusätzlich den Lebenszyklus abgeschlossener Agenten-Subtasks und ersetzt ihre Zwischenhistorie durch kompakte Ergebnisse.

Was ist Agentic Context Engineering?

Dabei entscheidet ein Agent selbst dynamisch, welche Informationen er beschafft, behält, strukturiert, verwirft oder als wiederverwendbare Strategien und Erinnerungen weiterentwickelt.

Wie lässt sich Context Engineering messen?

Wichtige Dimensionen sind Task Success, Context Relevance, Evidence Recall, Token Efficiency, Groundedness, Latenz und die zuverlässige Erhaltung kritischer Zustände und Constraints.

Quellen

Wissenschaftliche Arbeiten zu Context Engineering und seinen Komponenten

Context Engineering ist ein junges übergeordnetes Forschungsfeld. Die Auswahl verbindet aktuelle Arbeiten, die den Begriff systematisch definieren, mit grundlegender Forschung zu Retrieval, Long Context, Memory, Tool Use und Context Compression.

Quelle Autoren / Jahr Einordnung Originalquelle
A Survey of Context Engineering for Large Language Models Lingrui Mei et al. · 2025 Systematisiert Context Engineering als übergeordnetes Feld und gliedert es unter anderem in Context Retrieval and Generation, Context Processing und Context Management sowie deren Integration in RAG, Memory, Tool- und Multi-Agent-Systeme. arXiv:2507.13334
A comprehensive survey of prompt engineering and context engineering techniques in large language models Tonmoy Debnath et al. · 2026 Ordnet die Entwicklung von promptbezogener Steuerung hin zu systemweiter Kontextorchestrierung ein und verbindet klassische Prompting-Techniken mit RAG und mehrstufigen Reasoning-Systemen. DOI 10.1016/j.cosrev.2026.100979
Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks Patrick Lewis et al. · 2020 Grundlegende RAG-Arbeit. Verbindet parametrisches Modellwissen mit einer externen nicht-parametrischen Wissensquelle und etabliert Retrieval als dynamische Kontextquelle für Generierung. arXiv:2005.11401
Lost in the Middle: How Language Models Use Long Contexts Nelson F. Liu et al. · 2024 Zeigt, dass relevante Information in langen Kontexten nicht positionsunabhängig gleich zuverlässig genutzt wird. Das begründet die Bedeutung von Auswahl, Struktur und Placement. ACL Anthology / TACL
LongLLMLingua: Accelerating and Enhancing LLMs in Long Context Scenarios via Prompt Compression Huiqiang Jiang et al. · 2024 Untersucht Prompt Compression für Long-Context-Szenarien und verbindet reduzierte Tokenmengen mit Relevanzdichte, Kosten- und Latenzoptimierung. ACL Anthology
MemGPT: Towards LLMs as Operating Systems Charles Packer et al. · 2023 Führt ein hierarchisches beziehungsweise virtuelles Context-Management-Modell ein, das Informationen zwischen verschiedenen Memory-Ebenen verschiebt und dadurch lange Dialoge und Dokumentaufgaben unterstützt. arXiv:2310.08560
ReAct: Synergizing Reasoning and Acting in Language Models Shunyu Yao et al. · 2023 Verbindet Reasoning und externe Aktionen in einer Schleife. Tool- beziehungsweise Environment-Beobachtungen erzeugen dabei laufend neuen Kontext für die nächsten Modellentscheidungen. ICLR 2023
Toolformer: Language Models Can Teach Themselves to Use Tools Timo Schick et al. · 2023 Untersucht, wie Sprachmodelle lernen können, externe APIs aufzurufen und deren Resultate in die weitere Tokenvorhersage zu integrieren. NeurIPS 2023
Scaling Long-Horizon LLM Agent via Context-Folding Weiwei Sun et al. · 2025 Behandelt aktives Working-Context-Management in Long-Horizon-Agenten: Subtasks können verzweigt und nach Abschluss als kompaktes Ergebnis in den Hauptkontext zurückgeführt werden. arXiv:2510.11967
Agentic Context Engineering: Evolving Contexts for Self-Improving Language Models Qizheng Zhang et al. · 2025 Behandelt Kontext als veränderliche, kuratierte Wissens- und Strategieschicht. Das Framework aktualisiert Kontext über Generation, Reflexion und Curation statt ausschließlich über statische Promptdefinitionen. arXiv:2510.04618
Context Engineering for AI Agents in Open-Source Software Seyedmoein Mohsenimofidi et al. · 2025 Empirische Untersuchung realer Projektkontexte für Coding-Agenten. Analysiert, welche Architektur-, Workflow-, Test- und Coding-Regeln Entwickler in agentenspezifischen Kontextdateien bereitstellen. arXiv:2510.21413

Wissen

Context Engineering entscheidet, welche Welt das Modell für den nächsten Arbeitsschritt sieht

Ein leistungsfähiges LLM kann nur mit den Informationen arbeiten, die in seinem aktiven Kontext verfügbar und erkennbar relevant sind. Gute Context-Architekturen kombinieren deshalb Retrieval, Memory, Tool Results, State, Regeln und Evidenz zu einem dynamischen, aufgabenbezogenen Working Context.